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Shoah-Gedenken

Veranstaltungen erinnern an Deportationen 1942

An die Deportation der letzten jüdischen Mitbürger*innen, die sich Ende September zum 80. Mal jährt, erinnern in den kommenden Wochen auch evangelische Kirchengemeinden und das Dekanat Dreieich-Rodgau zusammen mit weiteren Akteur*innen und Institutionen der Region.

„Es waren die letzten in der Region, die noch an ihrem Zuhause festhielten; die nicht schon vorher „weggebracht“ oder von engagierten NS-Bürgermeistern und ihren Schergen vertrieben, in die Anonymität der Großstädte und damit auch in die Nähe eines Konsulats geflohen waren, um vielleicht doch noch eines der lebensrettenden Reisedokumente in die sichere Fremde zu bekommen“, schildert Sandra Scholz.

Hauptsächlich waren es Jüdinnen und Juden, aber auch Sinti und Roma oder andere dem NS-System missliebige Personen. „Über alle haben die Nazis korrekt Buch geführt: Auch über die, die im Jahr 1942 in Folge der Wannseekonferenz und nach einer ersten Welle im März 1942 als letzte ihres Glaubens im September frühmorgens aus ihren Häusern gezerrt, auf Viehwagen gepfercht und zum Darmstädter Bahnhof gebracht und von dort in die Konzentrationslager verteilt worden waren.“

Die Pfarrerin für Ökumene und Gesellschaftliche Verantwortung des Evangelischen Dekanats Dreieich-Rodgau hat zusammen mit Kolleginnen aus Groß-Umstadt Dokumente gesichtet und eine umfangreiche Materialsammlung für Gedenkveranstaltungen und -gottesdienste erstellt. Auch zwischen Langen und Seligenstadt gedenkt die evangelische Kirche öffentlich und im Verbund mit weiteren Akteur*innen und Institutionen dem Grauen des Holocaust, der vor 80 Jahren in der Massendeportation von Jüdinnen und Juden in die Todeslager gipfelte:

 

Samstag, 17. September, 11 Uhr, Feuerwehrhaus Klein-Auheim
63456 Hanau, Seligenstädter Straße 35

Im Rahmen eines ökumenischen Gedenkens erinnern evangelische und katholische Kirche zusammen mit dem örtlichen Heimat- und Geschichtsverein an die Deportation der letzten acht Juden. Kern der Veranstaltung werden voraussichtlich biografische Notizen der Opfer sein, da sowohl die persönlichen Daten der deportierten Personen wie auch ein Abschiedsbrief und einzelne Zeugenaussagen vorhanden sind.

 

Samstag, 17. September, 11 Uhr, 63303 Dreieich-Sprendlingen,
Treffpunkt vor dem Haus Hauptstraße 68

Rundgang zum Gedenken an die Deportierten vom 17. September 1942 mit dem Heimat- und Geschichtsverein „Freunde Sprendlingens“ 

 

Samstag, 24. September, 15 Uhr, Marktplatz, 63500 Seligenstadt

Exakt 80 Jahre und eine Woche nach der Deportation der letzten Jüdinnen und Juden aus der Einhardstadt platzieren Schüler*innen für jedes der Opfer einen Koffer mit biografischen Daten und Erläuterungen auf dem Marktplatz.

 

Dienstag, 27. September, 18 Uhr, Bertha-Pappenheim-Haus
63263 Neu-Isenburg, Zeppelinstraße 10

Zusammen mit dem Bertha-Pappenheim-Haus lädt das Evangelische Dekanat Dreieich-Rodgau zu einem Vortrags- und Gesprächsabend unter der Überschrift „Wie viel Vielfalt will unsere Gesellschaft?“ ein. Nach einem Impuls über Leben und Wirken Bertha Pappenheims sprechen Vertreter*innen verschiedenen Glaubens, Geschlechts, Herkunft und sexueller Orientierung miteinander und mit dem Publikum.

 

Samstag, 15. Oktober 2022, 14 bis 16 Uhr, 63225 Langen
Treffpunkt: Altes Rathaus, Wilhelm-Leuschner-Platz 3

„Langen in der Nazizeit“ ist das Thema des alternativen Stadtrundganges zu Häusern und Plätzen, an denen NS-Täter, NS-Gegner und NS-Opfer Geschichte machten. Dabei werden auch die Stellen besucht, an denen Stolpersteine verlegt wurden. Die etwa zweistündige kostenlose Führung mit Rosi Steffens, Rainer Elsinger und Herbert Walter beschränkt sich auf den Altstadtbereich. Anmeldung bei Herbert Walter, Telefon (06103) 51873

 

Sonntag, 30. Oktober, 10 Uhr, Ev. Erlöserkirche Klein-Auheim
63456 Hanau, Sudetendeutsche Straße 75

Evangelischer Gottesdienst zum Thema und Erinnerung an die Biografien in Klein-Auheim lebender Jüdinnen und Juden mit Pfarrerin Sandra Scholz

 

Sonntag, 6. November, 10 Uhr, Ev. Gustav-Adolf-Kirche
63150 Heusenstamm, Frankfurter Straße 80

Evangelischer Gottesdienst zum Thema mit Pfarrerin Sandra Scholz; anschließend Rundgang durch die Stadt entlang der Stolpersteine und Abschlussansprache von Bürgermeister Steffen Ball.

 

Dienstag, 8. November, 16 Uhr, Gemeindezentrum Hegelstraße der Ev. Versöhnungsgemeinde Buchschlag-Sprendlingen, 63303 Dreieich, Hegelstraße 91

"Wo die Deportierten gewohnt haben – Präsentation mit Bildern aus Alt-Sprendlingen für Konfirmand*innen mit Lutz Schäfer, Freunde Sprendlingens. Weitere Info: Pfrn. Ingeborg Verwiebe, Tel. (069) 677 375 60, ingeborg.verwiebe@ekhn.de 

 

Mittwoch, 9. November, 19 Uhr, kath. Pfarrkirche St. Marien
63500 Seligenstadt, Steinweg

Ökumenischer Gedenkgottesdienst und anschließend Gedenkfeier am Standort der ehemaligen Seligenstädter Synagoge (Frankfurter Straße). Vorher polieren Ehrenamtliche die in der Stadt verlegten Stolpersteine und entzünden dort Kerzen zum Gedenken an die deportierten jüdischen Mitbürger*innen.  

 

Freitag, 25. November, bis Donnerstag, 8. Dezember
Evangelische Stadtkirche, 63225 Langen, Wilhelm-Leuschner-Platz 14

Die Ausstellung „#Antisemitismus für Anfänger“ präsentiert eine Auswahl der Cartoons und Texte von Myriam Halberstam, die 2020 in der gleichnamigen Anthologie erschienen sind. Diese bilden Reaktionen und Lebensbereiche ab, in denen Judenfeindlichkeit stattfindet, und überspitzen und ironisieren sie. Unter dem Brennglas des Humors entsteht so eine Momentaufnahme des Antisemitismus in unserer Gesellschaft. Die Ausstellung in der Stadtkirche Langen ist zu den Öffnungszeiten der Kirche (Di-So, 10 bis 18 Uhr) frei zugänglich.


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