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Tagung der Dekanatssynode

Zukunftsthemen und Finanzen auf der finalen Tagesordnung

Einstimmig verabschiedete die Synode den Haushaltsplan 2021 des Evangelischen Dekanats Dreieich-Rodgau. Er umfasst Einnahmen und Ausgaben im Volumen von rund 4 Millionen Euro.

Kaum hat die Synode des fusionierten Dekanats Dreieich-Rodgau ihre Arbeit aufgenommen, endet ihre Amtszeit – turnusgemäß vor der Neukonstituierung im Gefolge der Kirchenvorstandswahlen. Mit den Schwerpunktthemen „Haushalt 2021“ und dem landeskirchlichen Zukunftsprozess „ekhn2030“ hatten die Vertreter*innen aus 28 Dekanatsgemeinden bei ihrer pandemiekonformen Herbsttagung in der Langener Martin-Luther-Kirche indes noch einmal gewichtigen Beratungsbedarf.

Zuvor hatten Dekan Steffen Held, Präses Dr. Michael Grevel sowie die Mitarbeiterinnen Heidemarie Ernst und Melanie Laufer im Rahmen einer Andacht zum Tagungsbeginn Elke Preising in ihren neuen Dienst als Leiterin der Evangelischen Familienbildung im Kreis Offenbach eingeführt. Die 53-jährige Rödermärkerin hat bereits im Mai die neue Aufgabe im Umfang einer halben Stelle angetreten. Mit einem zweiten Dienstauftrag bleibt sie Gemeindepädagogin in der Urberacher Petrusgemeinde.   

 

Bericht des Dekans: „Wertvolle Dienste im Haupt- und Ehrenamt“

Mit einem symbolischen Schluck aus einem halbvollen – oder halbleeren – Wasserglas begann Dekan Steffen Held seinen ersten Bericht an die Synode. Neben einem Rückblick auf das vergangene halbe Jahr wollte Held „einen optimistischen Blick wagen und einmal von vollen Gläsern träumen und von halbvollen sprechen“. 

In herausfordernden Zeiten der Pandemie, des gesellschaftlichen Wandels, des Rückgangs von Kirchenmitgliedern und des Bedeutungsverlusts sei es vielfach gelungen, trotzdem lebendige und vielfältige Kirche zu sein: „Ich bin dankbar für so viel tolle Arbeit und so viele engagierte Menschen, die für die Sache Jesu brennen.“

 

„Neues gemeinsam besprechen und erarbeiten“

„Wir werden weniger“, konstatierte Held, „und doch haben wir viel und Wertvolles zu bieten: die Botschaft des Evangeliums, die uns trägt, die lebensrelevant bleibt und sich nicht an Mitgliederzahlen und Kirchensteuereinnahmen bemisst.“ Dekan Held, dessen Schwerpunkt derzeit noch darauf liegt, Mitarbeitende und kirchliche Partner*innen in Kommunen, Verbänden und den anderen Religionsgemeinschaften kennen zu lernen, stellte auch sein Bild von Leitung und Zusammenarbeit vor: „Es gilt, unterschiedliche Zugangsweisen und Kulturen zu berücksichtigen und zugleich offen zu sein für Neues. Das soll aber nicht von oben verordnet, sondern gemeinsam besprochen und erarbeitet werden.“

 

Geduld in Veränderungsprozessen: „Wir sind auf einem guten Weg“

Zugleich warnte Held vor Überforderung, etwa durch häufiger und länger nicht besetzte Stellen im Pfarrdienst oder im Gemeindepädagogischen Team: „In solchen Phasen kann nicht alles wie gewohnt weitergehen.“ Mit Blick auf Veränderungen durch die Fusion und den landeskirchlichen Prioritätenprozess „ekhn2030“ wünscht sich der Dekan Geduld: „In vielem sind wir auf einem guten Weg, aber ein Zusammenschluss heißt nicht, dass alles gleich eins ist.“

 

Schwerpunktthema „Zukunft“

Einen Einblick in den laufenden Zukunfts- und Prioritätenprozess in der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) gaben die Vertreter*innen des Dekanats Dreieich-Rodgau in der Kirchensynode, dem gesetzgebenden Kirchenparlament der hessen-nassauischen Landeskirche: Angesichts tiefgreifender gesellschaftlicher Veränderungen und knapper werdender Ressourcen hat die Kirchensynode als oberstes Beschlussorgan vor zwei Jahren mit „ekhn2030“ damit begonnen, die Weichen für die Zukunft zu stellen. Die Landessynodalen Brigitte Jahn-Lennig, Jutta Trinz, Erhard Seeger und Ulrike Wegner sowie Pfarrerin Heike Zick-Kuchinke und ihr Kollege Martin Diehl stellten finanzielle Rahmenbedingungen, Chancen und Herausforderungen des Prozesses vor, der alle Arbeitsfelder und -ebenen der Kirche betrifft und nun in die Konkretion geht. 

Die EKHN will sich dabei als offene, Mitglieder- und Gemeinwesen-orientierte Kirche weiterentwickeln. Ihr Anspruch ist es dabei, eine öffentliche Kirche, nah und in vielfältiger Weise bei den Menschen zu bleiben und Menschen miteinander zu verbinden. Gleichzeitig gilt es, angesichts künftig deutlich geringerer Kirchensteuereinnahmen Möglichkeiten zu finden, die Haushaltsausgaben bis 2030 um 140 Millionen Euro pro Jahr strukturell zu reduzieren.

Intensiv diskutiert wird derzeit die Zusammenarbeit von Kirchengemeinden in Nachbarschaftsräumen von 3.000 bis 9.000 Mitgliedern mit multiprofessionellen Teams aus Pfarrerinnen, Gemeindepädagogen, Mitarbeitenden in der Kirchenmusik und weiteren Professionen. Außerdem steht der künftige Gebäudebedarf auf dem Prüfstand. Konkrete Beschlüsse dazu sollen im kommenden Jahr gefasst werden. 

 

Ausgeglichener 4-Millionen-Euro-Haushalt des Dekanats vorgestellt

Den Planentwurf für das laufende Haushaltsjahr des Evangelischen Dekanats Dreieich-Rodgau brachten DSV-Mitglied Rolf Müller und Verwaltungsfachkraft Claudia Batterham in die Synode ein: Das Zahlenwerk sieht Einnahmen und Ausgaben von rund 4 Millionen Euro vor und wurde einstimmig beschlossen. 91 Prozent des Etats machen die Gehälter der 430 Angestellten des Dekanats aus: für die Mitarbeitenden der 18 evangelischen Kindertagesstätten in der Rechtsträgerschaft des Dekanats und der beiden Geschäftsstellen, im Gemeindepädagogischen Team und im Dekanatsteam. „Das macht uns auch zu einem großen Arbeitgeber und bedeutenden Wirtschaftsfaktor in der Region“, eröffnete Rolf Müller den Synodalen einen ungewohnten Blick auf die evangelische Kirche in der Region.

 

Kürzungen beim „Finanzausgleich“

Rückgänge kalkuliert der Kirchenkreis schon im laufenden Jahr bei den Zuweisungen aus Kirchensteuermitteln ein, die sich unter anderem aus den Mitgliederzahlen in den 28 Dekanatsgemeinden errechnen. Zusätzlich zu den erwarteten Mindereinnahmen in Folge der Mitgliederentwicklung kürzte die Evangelische Kirche in Hessen und Nassau mit Wirkung zum laufenden Haushaltsjahr den so genannten „Finanzausgleich“ an die Dekanate von 1,60 Euro auf 1 Euro pro Gemeindemitglied, also um knapp 40 Prozent auf jetzt rund 70.000 Euro. Zusammen mit der Grundzuweisung macht der Finanzausgleich zwar nur 7 Prozent des Dekanats-Etats aus, gilt aber als „freie Spitze“. Mit ihr finanziert das Dekanat Angebote, Projekte und Sachmittel der Mitarbeitenden, bestreitet aber auch alle laufenden Kosten. Dennoch plant der Dekanatssynodalvorstand, mit einer geringen Zuführung zu den Rücklagen knapp 10.000 Euro auf die hohe Kante zu legen.

 

Finanzielle Herausforderungen: Umsatzsteuer und Fusion

Für die Zukunft sehen die beiden Finanzfachleute des Dekanats noch einiges an Unwägbarkeiten: Derzeit prüft die Finanzverwaltung, welche Auswirkungen die gesetzliche Gleichstellung mit Unternehmen bei der Umsatzsteuer auf das Dekanat hat. Was nach Business klingt, sind tatsächlich etliche bekannte und bewährte kirchliche und diakonische Angebote wie Kinder- und Jugendfreizeiten, Kurse der Evangelischen Familienbildung, Kulturveranstaltungen oder der Verkauf von Essen und Getränken beim Gemeindefest.

Auch die Fusion der beiden Alt-Dekanate Dreieich und Rodgau zum Beginn des Jahres ist zwar erfolgt, aber noch nicht komplett vollzogen: Nicht nur die Zusammenarbeit zwischen zwei Häusern der Kirche in Dietzenbach und Langen bedeutet für Team und Leitung derzeit einen erhöhten organisatorischen und damit auch finanziellen Aufwand. Auch die Suche nach einem gemeinsamen, finanzierbaren Domizil für die über 20 Mitarbeitenden im Kernteam des Dekanats gestaltet sich in der Rhein-Main-Region schwierig. Am gemeinsamen Sitz in der Kreisstadt will der Dekanatssynodalvorstand in jedem Fall festhalten.


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